An den Vorsitzenden des Stadtentwicklungs-, Planungs- und Verkehrsausschuss
Herrn Marcel Vossschulte
Am Neumarkt 2
41564 Kaarst

6. Oktober 2011

Anfrage zur Sitzung des PVA am 20.10.2011 / Verkehrsgutachten Hüngert II


Sehr geehrter Herr Vossschulte,

die Fraktion der Kaarster Grünen bittet Sie, folgende Fragen zur nächsten Sitzung des PVA am 20.10.2011 schriftlich beantworten zu lassen und den Gutachter zur Sitzung einzuladen.

Für die Errichtung eines IKEA-Einrichtungshauses in Kaarst ist die Neuplanung der K 37n erforderlich, da das bestehende Straßennetz die prognostizierten Besucher- und Verkehrsströme nicht bewältigen kann.

Die Machbarkeit des IKEA-Projektes wird im Abschlussbericht Oktober 2010 (der Verkehrsuntersuchung L 390/Gümpgesbrücke, Kaarst-Holzbüttgen) mit Auslastungsgraden von 90-92% begründet. Insgesamt 6 von 10 Knotenpunkten erreichen dabei zu werktäglichen Spitzenstunden oder im „worst-case“-Fall die Qualitätsstufe D. Das Straßennetz ist damit ausgelastet.

Dabei blieben zwei der im verkehrswichtigen Straßennetz aufgeführten Knotenpunkte und Zählstellen ausgeklammert – u.a. der Knotenpunkt am Kaarster Bahnhof.

Auffällig ist auch, dass die o.g. Leistungsfähigkeitsberechnungen von der ursprünglich geplanten IKEA-Verkehrsmenge von 8.500 Kfz/Tag für Besucher ausgehen. Das im Abschlussbericht Oktober 2010 um 3.000 Kfz erhöhte Verkehrsaufkommen (Montag bis Donnerstag sowie das nochmals höhere Verkehrsaufkommen am Freitag) blieb unberücksichtigt.

Insgesamt muss das vorhandene Datengerüst als lückenhaft eingestuft werden, weil in der Verkehrsuntersuchung nur der typische Werktag (Dienstag bis Donnerstag) betrachtet wird. Die Wochentage Montag und Freitag wurden dagegen weder gezählt noch untersucht.

Darüber hinaus gibt es über das IST-Verkehrsaufkommen am IKEA-Standort Kaarst keinen belastbar nachprüfbaren statistischen/tabellarischen Nachweis. Eine deutlich höhere Besucherdichte als an anderen Standorten wird zwar textlich hervorgehoben (S. 67) – jedoch nicht mit absoluten Zahlen belegt.

Als Datengrundlage dient stattdessen ein Verkehrsmengengerüst des IKEA-Standorts in Düsseldorf-Reisholz (S. 67, Abschlussbericht Oktober 2010).

Nach einem Datenabgleich mit dem Mengengerüst des IKEA-Standorts in Köln-Ossendorf (s. Stellungnahme Küchler + Runge vom 13.12.2010, S. 3) wird deutlich, dass an beiden IKEA-Standorten sich völlig unterschiedliche Besucher- und Verkehrsströme entwickelt haben.

Während der Standort Köln-Ossendorf für die Spitzenstunde sowie für den Wochen- und Jahresgang ein ikeatypisches und realistisches Datengerüst zeigt, hat es für den Standort in Düsseldorf-Reisholz den Anschein, dass bereits die vorgelegte Tabelle 5.2-1 (S. 67) modellhaft erstellt worden ist (s. Anlage 1).

Widersprüchliche Sachverhaltsdarstellungen verstärken diesen Eindruck: z.B. erreicht der Urlaubsmonat Juli im Wochengang fast dieselbe Verkehrsmenge wie der Monat Dezember mit seinem Weihnachtsgeschäft – dagegen zeigen im Jahresgang sechs Monate (Januar, Februar, März, September, Oktober, November) ein höheres Verkehrsaufkommen gegenüber dem im Einzelhandel verkaufsstärksten Monat Dezember (s. Tabelle 5.2-1, S. 67).

Diese Datenbasis und die daraus abgeleiteten Durchschnittswerte widersprechen jeglichem vergleichbaren Branchentrend.

Wir bitten um Stellungnahme des Gutachters und der Verwaltung zu den hier und in den Anlagen dargestellten Problemen.

1. Planfehler (z.B. S. 37 Endbericht ptv):

Das östlich von der Kreuzung Hüngert/K37n liegende Gebäude (Kartonagen Hoffmann) ist vor mehreren Jahren um ca. 25 m an der Westseite verbreitert und Richtung Norden um ca. 125 m verlängert worden. Die Grundstückssituation für die K37n ist dadurch über eine große Länge äußerst beengt, anders als im Altplan dargestellt, der dem Gutachten zu Grunde liegt. Eine nachträgliche Verbreiterung der K37n als Zufahrt für IKEA – wie an anderen IKEA-Standorten oft notwendig - wird dadurch unmöglich gemacht für die Zukunft.

Wir bitten um Stellungnahme des Gutachters und der Verwaltung zu diesem Problem.

2. Abbindung der jetzigen K37 (Siemensstraße) Richtung Süden (S. 268 R+K)

Die jetzige K37, als Umgehungsstraße gebaut, ist erst ca. 10 Jahre alt. Deren Bindungsfrist dürfte noch nicht abgelaufen sein. Nun soll die K37 in südlicher Richtung abgebunden und zur zunächst einspurigen, später zweispurigen Einbahnstraße Richtung Norden werden. Das bedeutet auch, dass sowohl die Ortsansässigen und Gewerbetreibenden, die über die K37 nach Büttgen fahren möchten, nur noch über den Umweg über Hüngert/K37n auf die K37 gelangen.

Die Linksabbiegespur K1 von der Siemensstr. in Hüngert wird auf S. 270 (R+K) mit 79% rechnerischer Auslastung des bedingt verträglichen Linksabbiegers angegeben. Die von der Westrampe der A57 kommenden IKEA-Kunden müssen als Linksabbieger über diese Kreuzung.

Fragen: Kann die K37n unter diesen Umständen als Umgehungsstraße bezeichnet werden?

Welche Nachhaltigkeit hat die vorgelegte Planung, wenn die jetzige K37 schon nach weniger als 10 Jahren mit Steuergeldern umgebaut werden soll?

3. Konflikt Regiobahn/Bahnübergang Gümpgesbrücke

Die Verkehrsuntersuchung von Runge + Küchler aus Mai 2010 bezog sich nur auf Werktage (Mo. bis Do.). Die Stadtverwaltung Kaarst wollte die Freitags- und Samstagsverkehre nicht untersucht haben (siehe S.19, Protokoll Bürgerversammlung vom Juni 2010).

In der nachgebesserten Version von Oktober 2010 bezieht sich die Berechnung der Spitzenbelastungen nur auf den Samstagsverkehr, wenn die Regiobahn nur im 30-Minutentakt fährt. Freitags fährt die Regiobahn jedoch alle 20 Minuten in beiden Richtungen, was bedeutet: Erhöhter Kundenverkehr trifft freitags auf Alltagsverkehr bei 2 zusätzlichen Schrankenschließzeiten, was bis heute nicht untersucht wurde.

Fragen: welche Auswirkungen haben die zusätzliche Verkehrsmenge freitags im Straßennetz?

Inwiefern wurden überregionale Planungen, die Regiobahn zweispurig auszubauen und sie Richtung Viersen zu verlängern, berücksichtigt?

4. Offenhaltung der Gümpgesbrücke, Umwegfahrten

Tatsächlich sollen Geradeaus- und Linksabbieger verboten werden. Das bedeutet große Umwege für alle Autofahrer, die Richtung Kaarst-Zentrum oder zur Westrampe der A57 wollen. Die drei nördlich der L390 gelegenen Schnellrestaurants werden für die Leute aus den Gewerbegebieten Holzbüttgen-Ost und Hüngert I nur noch über große Umwege mit dem PKW erreichbar. Die Fahrzeugkilometer werden im Gutachten von Mai 2010 (R+K) auf S. 64 mit 64.000 km täglich angegeben bei Variante 5 (siehe Anhang). Diese wurde zwar verworfen, aber die entsprechende Angabe bei Variante 7 im Oktobergutachten fehlt. Bei Variante 7 entfallen Abbiegebeziehungen an mehreren Kreuzungen, sodass hier möglicherweise die Umwegfahrten noch höher liegen. Die Angabe ist relevant für die Umweltverträglichkeitsprüfung (CO2-Ausstoß).

Fragen: Wurde dies von der Verwaltung überprüft? Wir bitten um Stellungnahme des Gutachters und der Verwaltung zu diesem Problem.

5. Verbot der Linksabbiegespur von 3 Schnellrestaurants gegenüber Gümpgesbrücke auf die L390, Umwegfahrten

Zwar ist die Linksabbiegespur der McDonald´s-Seite im Plan abgebildet und steht bis heute so im Internet. Inzwischen ist aber vom Gutachter bestätigt worden, dass sie entfallen muss.

Das bedeutet: Ausfahrende Autos, die Richtung Neuss oder Ostrampe A57 möchten, müssten geradeaus über die Gümpgesbrücke fahren, dort eine Acht fahren, das dortige Straßennetz belasten, um dann als Rechtsabbieger auf die L390 in östlicher Richtung zu gelangen.

Fragen: Wie viele dieser Umwegfahrer sind in den Straßenbelastungen von Hüngert I und den dortigen Knotenpunkten berücksichtigt worden?

Mit welchen KFZ-Zahlen geht das geplante Gewerbegebiet nördlich der L390 – heute noch Platenhof – in die Gutachten ein?

6. Gutachten ptv S. 42ff: Qualitäten nach HBS Variante 7

a) Das Gutachten von ptv basiert für die Simulationen auf „der maßgeblichen Spitzenstunde am Nachmittag“ ( S. 10 oben).

Es gibt keine Aussage zum untersuchten Wochentag, was wegen der Schrankenschließzeiten (6 bzw. 4-mal pro Stunde) und des stark zunehmenden Besucherverkehrs von IKEA freitags (120 %) und samstags (200 % lt. R+K, S. 65) bedeutsam ist.

Die durchgeführte 10%-Steigerung erfasst diese Schwankungen nicht.

Frage: Auf welchem Wochentag basieren die Simulationen von ptv?

b) Bei Abbildung 39 (S. 42) fehlen die Qualitätsangaben der besonders kritischen und für die Bevölkerung wichtigen Kreuzungen

Siemensstr./K37n,

Siemensstraße/Bruchweg und

Siemensstr./Hanns-Martin-Schleyer-Straße.

Abbildung 40 zeigt den Lastfall Samstag. An den Kreuzungen Siemensstr./Hüngert/Bruchweg und Hanns-Martin-Schleyer-Str./K37n wird Qualität D angegeben. Erstaunlicherweise erscheint die Kreuzung Hanns-Martin-Schleyer-Str./K37n im Worst-Case-Szenario mit der besseren Qualität C.

Fragen: Wie erklärt sich die bessere Qualitätsstufe im worst-case-Szenario gegenüber dem Lastfall Samstag?

Welche Qualität hat die Kreuzung Hanns-Martin-Schleyer-Str./Siemensstraße in beiden Szenarien? (Aussage fehlt im Gutachten!)

7. Die Verkehrszunahme auf Umgehungsstraße K37 Richtung Büttgen wird werktags im Gutachten von R+K (S. 52) mit +1.600 KFZ täglich angegeben, auf der L 154 werden +1.300 KFZ berechnet.

Fragen: Ist geprüft worden, ob die Kreuzung K37/L154 (Braunsmühle) diese zusätzlichen Belastungen verträgt? Welche Auswirkungen haben sie auf den Ortsteil Büttgen und die L 154?

8. Neue Verkehre durch Restbebauung Hüngert I, Platenhof und sonstiges Gewerbe (außer Ikea) in Hüngert II

a) Hüngert I

Auf der noch zu bebauenden Fläche Hüngert I (Größe 19.700 m²) sieht der Verkehrsgutachter die Möglichkeit der Realisierung von 15.000 m² Büroflächen (2,5 Arbeitnehmer auf 100 m²) und 10.000 m² Gewerbeflächen (2 Arbeitnehmer auf 100 m²), vgl. Gutachten R & K, S. 12. Dadurch würden 475 zusätzliche Arbeitsplätze mit 1.300 kfz-Fahrten am Werktag zusätzlich entstehen (Beschäftigten-, Besucher- und Lieferverkehr).

b) Hüngert II

Hier wiederrum hat der Verkehrsgutachter zuerst einen extrem niedrigen Wert von nur 0,67 Arbeitnehmer pro 100m² angesetzt bei geschätzten 150.000 m² Bruttogeschossfläche. In der Entwicklungskonzeption des Rahmenplans wird die übrige Gebäudegrundfläche (außer Ikea) im Gebiet Hüngert II mit gesamt 124.000 m² angegeben. Wenn man nun einen sehr geringen Schätzwert einer gesamten Bruttogeschossfläche von 186.000 m² ansetzt und den niedrigen Wert von 0,67 Beschäftigte pro 100 m², erhält man bereits 1.246 Beschäftigte.

Mit dem vom Verkehrsgutachter angesetzten Faktor von 2,5 Fahrten pro Beschäftigten (ohne Liefer- und Besucherverkehr) ergibt sich damit schon eine Summe von 3.115 kfz-Fahrten pro Tag (85% davon sind 2.648), statt wie vom Gutachter angesetzt 1.650 kfz-Fahrten, vgl. Gutachten R & K, S. 15.

Würde man nun – wie es allgemein ein politisch formuliertes Ziel ist – höherwertiges Gewerbe im Bereich Hüngert II ansiedeln wollen, müsste man einen höheren Beschäftigtenschlüssel, z.B. Handwerksbetriebe zw. 1,3 und 2,5 pro 100m², ansetzen. Denn Logistiker und Industrie ist von offizieller Seite ebenso ausgeschlossen worden.

Damit ergäben sich Zahlen, die das Verkehrssystem nicht mehr verkraften würden.

Allein 4.348 (bei 85% und 2,5 Fahrten pro Beschäftigtem) würden sich bei einem Schlüssel von 1,1, wie der Verkehrsgutachter für realistisch hält (vgl. Antwort vom 13.12.2010, S. 2), statt geplanten 1.650 kfz-Fahrten der Beschäftigten ergeben.

c) Gewerbegebiet um den Platenhof

In der Rahmenplanung aufgegriffen und weiter konkretisiert wurde auch das Gebiet um den Platenhof, das insg. ca. 11ha umfassende Areal, C1 im Rahmenplan, soll nach dortiger Aussage weiteres Gewerbe angesiedelt werden, vgl. auch Entwicklungskonzeption des Rahmenplans und S. 73 des Rahmenplans. Der Verkehrsgutachter hatte mit Stand Oktober 2010 noch keine Verkehr eingerechnet, vgl. S. 5 der Antwort vom 13.12.2010 auf die Anfrage der Grünen.

Mit welchen Verkehren rechnet der Gutachter und welchen Einfluss werden diese haben, bei der Spurführung gem. Variante 7?

9. Kann der Gutachter eine Aufschlüsselung des Jahresverkehrsaufkommens von Ikea (2 Millionen Besucher) vorlegen?

Vielen Dank für Ihre Mühen.

Freundliche Grüße


Christian Gaumitz



Anlage 1

Analyse I

Verkehrsaufkommen (Kfz) Düsseldorf-Reisholz 2007/08 (vor dem Umbau mit 17.000 m² VKF; nach der Erweiterung 24.000 VKF) und Prognose Kaarst (S. 67, Abschlussbericht Verkehrsuntersuchung, Oktober 2010)

hier: Spitzenstundenanteil am Tagesverkehr 10% (Zielverkehr Montag bis Donnerstag)

Monat Montag bis Donnerstag Spitzenstunde Ziel Abweichung Prozentsatz

Kfz gesamt nur Ziel 10% IST Anzahl Kfz (von 10%)

Januar 10.300 (:2 =) 5.150 515 507 - 8 98,4

Februar 9.600 4.800 480 475 - 5 99,0

März 11.700 5.850 585 580 - 5 99,1

April 8.500 4.250 425 423 - 2 99,5

Mai 7.300 3.650 365 363 - 2 99,5

Juni 8.900 4.450 445 439 - 6 98,7

Juli 10.900 5.450 545 540 - 5 99,1

August 9.700 4.850 485 478 - 7 98,6

September 10.600 5.300 530 525 - 5 99,1

Oktober 11.000 5.500 550 545 - 5 99,1

November 9.400 4.700 470 466 - 4 99,1

Dezember 11.800 5.900 590 584 - 6 99,0

durchschnittlich 5.000 99,0


Anmerkungen:

- zur besseren Anschaulichkeit wird nur das Ziel-Verkehrsaufkommen dargestellt

- auffällig ist die geringe Abweichung von 2-8 Kfz unterhalb der 10%-Grenze

- d.h. die 10%-Grenze wurde in jedem Monat mit rund 99% knapp unterschritten

- dies bedeutet, es sind keinerlei Schwankungen im Jahresgang ersichtlich

- weiterhin fällt auf, dass in den Monaten Februar, März, Juli, September und Oktober eine zählidentische Abweichung von 5 Kfz ausgewiesen wird

- im Zwischenbericht (Mai 2010) lag der Spitzenstundenanteil noch bei 14%

- kritisch zu hinterfragen sind weiterhin die Verkehrsmengen des Dezembers im Vergleich mit den Monaten März, Juli im Jahresgang und insgesamt im Vergleich mit dem Standort Köln-Ossendorf

- das durchschnittliche Ziel-Verkehrsaufkommen beträgt 5.000 Kfz/Tag.

Analyse II

Abgleich mit den Daten des IKEA-Marktes in Köln-Ossendorf, der im März 2009 mit 25.000 qm VKF eröffnet wurde (vgl. Stellungnahme Büro Runge + Küchler vom 13.12.2010).

Die Monate Januar bis April entfallen, da der IKEA-Markt am 16.03.09 eröffnet wurde, der Besucherstrom sich erst danach normalisierte.

Monat Montag bis Donnerstag Spitzenstunde Ziel Abweichung Prozentsatz

Kfz gesamt nur Ziel 10% IST Anzahl Kfz (von 10%)

Mai 6.001 3.001 300 336 + 36 112,0

Juni 6.035 3.018 302 333 + 31 110,3

Juli 6.525 3.263 326 349 + 23 107,1

August 6.819 3.410 341 406 + 65 119,1

September 7.171 3.586 359 394 + 35 109,7

Oktober 8.025 4.013 401 452 + 51 112,7

November 7.660 3.830 383 416 + 33 108,6

Dezember 9.330 4.665 467 574 + 107 122,9

durchschnittlich 3.600 112,8


Anmerkungen:

- auffällig sind die Abweichungen von 23 bis 107 Kfz oberhalb der 10%-Grenze

- d.h. im Jahresgang wurde die 10%-Grenze mit einer Schwankungsbandbreite von rund 7%-23% regelmäßig überschritten – durchschnittlich um 12,8%

- weiterhin fällt auf, dass keinerlei datengleiche Abweichungen entstehen im Vergleich zu Düsseldorf-Reisholz

- der ursprüngliche Spitzenstundenanteil von 14% wird fast erreicht

- der Vergleich mit dem Dezemberwert erscheint für die übrigen Monate im Jahresgang realistisch und ikeatypisch

- das durchschnittliche Ziel-Verkehrsaufkommen beträgt 3.600 Kfz/Tag

- dieses im Vergleich zu Düsseldorf-Reisholz niedrige Tagesverkehrsaufkommen kann nicht für den Nachweis aufgenommen werden, dass das Verkehrsaufkommen in der Spitzenstunde den Grenzwert von 600/660 Kfz/h unterschreitet.

Fazit

Beide IKEA-Standorte sind nicht geeignet zur Ermittlung des Verkehrsaufkommens am Standort Kaarst. Während Düsseldorf-Reisholz offensichtlich rechenmodellhafte Eigenschaften zeigt, bildet der Standort Köln-Ossendorf die Gesamtsituation realistischer ab – ist jedoch vom Mengenvolumen her nicht vergleichbar.

In beiden Fällen liegen als Quelle lediglich ikeaeigene Daten vor!



Anlage 2

Das bisher ermittelte Verkehrsmengengerüst darf insgesamt angezweifelt werden. Die Lagegunst und eine hohe Besucherdichte gegenüber anderen IKEA-Standorten kennzeichnen lt. Verkehrsuntersuchung den Standort Kaarst.

Beide Standortfaktoren führten zu einer ständig angestiegenen Besucherfrequenz. Heute besuchen ca. 2 Mio. Besucher jährlich das Einrichtungshaus (Quelle: Nachbarschaftsbroschüre der Stadt Kaarst, S. 4, vgl. www.kaarst.de)

Bisherige Datengrundlagen weisen z.T. gravierende Mengendifferenzen auf:

Beispiel A:

IKEA-Plandaten gehen aktuell von 50 Besuchern je 100 qm VKF aus (S. 12, Abschlussbericht Oktober 2010).

Für 9.300 qm VKF ergibt dies 4.650 Besucher pro Tag (werktags von Montag bis Freitag). Bei einem Besetzungsgrad von 1,5 Besuchern je Kfz entwickelt sich ein durchschnittliches Tagesverkehrsaufkommen von 3.100 Kfz/Tag im Zielverkehr.

Nach der Erweiterung auf 25.500 qm VKF geht IKEA von 25 Besuchern je 100 qm VKF aus. Umgerechnet ergibt dies 6.375 Besucher pro Tag (Montag bis Freitag) mit einem werktäglichen Ziel-Verkehrsaufkommen von 4.250 Kfz/Tag (mit ebenfalls 1,5 Besuchern je Kfz).

Die IST-Verkehrsmenge (2009/10) beträgt lt. Verkehrsuntersuchung 55% der Prognosewerte und würde rund 5.640 Kfz/Tag ergeben – es entsteht eine Mengendifferenz von + 33%!

Beispiel B:

Im Rechenmodell (für die Variante 7) mit den Belastungsdifferenzen wird für das Analysejahr 2009 ein Gesamtverkehrsaufkommen (Düsselstraße) von 4.400 Kfz/Tag ausgewiesen (vgl. Kfz-Verkehrsbelastung Prognose 2025, Var. 7, Belastungsdifferenzen zu Analyse 2009) . Dies entspricht einem Ziel-Verkehr von 2.200 Kfz/Tag. Multipliziert mit dem Besetzungsgrad von 1,5 je Kfz ergibt sich eine werktägliche Besucherfrequenz von 3.300 Besuchern pro Tag.

Umgerechnet auf den aktuellen Standort Kaarst im Analysejahr 2009 (bei 9.300 qm VKF) bedeutet dies 36 Besucher je 100 qm VKF.

Beispiel C:

Die jährliche Gesamtbesucherzahl von ca. 2 Mio. Besuchern ergibt durchschnittlich betrachtet 38.465 Besucher je Woche (bei 52 Wochen) oder 6.410 Besucher pro Tag. Bezogen auf die aktuelle Verkaufsfläche (9.300 qm) werden damit 69 Besucher je 100 qm VKF ermittelt.

Das entsprechende Jahresverkehrsaufkommen von ca. 2 Mio. Besuchern beträgt unter Verwendung der Kennziffern (Besetzungsgrad 1,55/Montag-Samstag, s. Verkehrsuntersuchung) insgesamt 1.290.320 Kfz/Jahr. Wöchentlich sind dies rund 24.800 Kfz oder 4.130 Kfz täglich.

Da das IST-Verkehrsaufkommen 55% des Prognoseverkehrsaufkommens ausmacht, entwickeln sich zwei unterschiedliche Verkehrsmengen: das Büro Runge + Küchler geht in der Prognosebetrachtung von 40.250 Kfz/Woche aus – während sich auf der 2 Mio.-Basis eine Verkehrsmenge von rund 45.100 Kfz wöchentlich ermitteln lässt (s. Anlage 3).

Fazit

Die o.g. Daten basieren auf Durchschnittswerten und täuschen über Verkehrsspitzen und Schwankungsbreiten im Tages- und Wochengang hinweg.

Die aufgezeigten Mengendifferenzen von 3.100 Kfz/Tag im Zielverkehr in der Ist-Situation (Beispiel A) und dem im Verkehrsmodell errechneten Ziel-Verkehrsaufkommen von 2.200 Kfz/Tag (Beispiel B) sind aufzuklären.

Ebenso ist eine realistischere Verteilung der ca. 2 Mio. Besucher im Tages-, Wochen- und Jahresgang zu entwickeln. Auch die verkehrlichen Auswirkungen im geplanten Straßennetz mit Schwankungen in der Größenordnung von mindestens 7%-23% (Erfahrungswert Köln-Ossendorf) sind modellhaft zu ermitteln und der Öffentlichkeit bekannt zu geben.

Das Ausmaß der verkehrlichen Konfliktsituationen an den Knotenpunkten entlang der L 390 wird wesentlich höher ausfallen als bisher dargestellt. Da bereits geringfügige Erhöhungen der Verkehrsmengen genügen, um bei einem bisher ermittelten 90-92%igen Auslastungsgrad Konflikte und Abwicklungsprobleme entstehen zu lassen, werden Auswirkungen auch auf das Gesamtnetz auftreten.

Nach den jetzigen Erkenntnissen wurde das Besucher- und Verkehrsaufkommen nicht ausreichend und realitätsnah ermittelt.

Damit werden sämtliche bisher vorgelegten Verkehrsdaten und Sachverhaltsdarstellungen hinfällig.


Bei einer als erforderlich erachteten Datenkorrektur verändern sich automatisch sämtliche Durchschnittswerte im Jahresgang und führen auch bei den Ganglinien für das werktägliche Verkehrsaufkommen (Montag-Freitag) zu Verschiebungen.

Das Ausmaß des samstäglichen Besucher- und Verkehrsstroms ist ikeaseitig zu belegen und anhand der aktuellen Besucherzahl von ca. 2 Mio. Besuchern jährlich nachvollziehbar darzustellen.

Eine sachgerechte Beurteilung und Abwägung zur offensichtlich notwendigen und absehbaren Konfliktbewältigung kann auf der Basis des bisher angewandten Datengerüstes nicht stattfinden.



Anlage 3

Verkehrsmodell IKEA (vs. Büro Küchler + Runge)


Prognosedaten 2025 (Besucher) Mo Di Mi Do Fr Sa

IKEA-Angaben

(Stand Februar 2011) 8.500 8.500 8.500 8.500 8.500 ------

Verkehrsuntersuchung

(Stand Mai 2010) 8.500 8.500 8.500 8.500 8.500 ------

Verkehrsuntersuchung

(Stand Oktober 2010) 11.500 11.500 11.500 11.500 14.500 20.000



Die Tabelle zeigt das Besucher-Verkehrsaufkommen mit Ziel- und Quellverkehr. Zur einheitlichen Darstellung der nachfolgenden Sachverhalte wird nur der Zielverkehr als Rechengröße berücksichtigt, d.h. die Plandaten werden rechnerisch halbiert.

Der Umfang des IST-Verkehrsaufkommens (für 2009/10) wurde mit 55% der Prognosemenge festgelegt und aus der Verkehrsuntersuchung übernommen.

55% von 4.250 Kfz (nur Zielverkehr) ergibt gerundet ein durchschnittliches IST-Verkehrsaufkommen von 2.340 Kfz/Tag (werktäglich: Montag bis Freitag).

Damit entsteht pro Woche ein IST-Verkehrsaufkommen von 11.700 Kfz (jedoch nur werktäglich von Mo-Fr).

Bei einem Besetzungsgrad von 1,5 Personen je Kfz ergibt dies ein Besucheraufkommen von 3.510 Personen werktäglich, insgesamt von Mo-Fr dann 17.550 Besucher pro Woche.

Auf den Jahresgang (mit 52 Wochen) bezogen sind dies 912.600 Besucher/Jahr.

Da die jährliche Besucherfrequenz ca. 2 Mio. Besucher erreicht, entsteht eine Differenz von 1.087.400 Besuchern.

Mit einer Rückrechnung (über 52 Wochen) verbleiben dann 20.912 (20.900) Besucher pro Woche – und zwar nur für den Samstag.

Der Besetzungsgrad liegt am Samstag mit 1,7 Personen höher, so dass sich ein samstägliches IST-Verkehrsaufkommen von rund 12.300 Kfz errechnet.

Das wöchentliche Besucher-Verkehrsaufkommen beläuft sich nach IKEA-Angaben somit auf 24.000 Kfz/Woche (11.700 + 12.300) als IST-Verkehrsaufkommen in 2009/10 (= 55%).

Der IKEA-Prognosewert 2025 für den Besucher-Verkehr beträgt dann 43.650 Kfz/Woche.


Weitere Anlagen

  • Auszüge aus dem Gutachten von R & K inkl. Anlagenband
  • Auszüge Abschlussbericht PTV
  • Auszüge Stellungnahme R & K 13.12.2010
  • Auszüge Protokoll Bürgerversammlung 24.06.2010
  • Auszüge Kommentierung Jäde,Dirnberger & Weiss, context Kommentar, Baugesetzbuch (BauGB), Baunutzungsverordnung BauNVO, 6. Auflage


Die umfangreiche Anfrage als pdf (pdf, 53 KB).


Anlagen Teil 1 (pdf, 1.632 KB)


Die Antwort der Verwaltung zu unserer Anfrage: Klicken Sie hier.


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