An den Vorsitzenden des Stadtentwicklungs-, Planungs- und Verkehrsausschuss (SPVA)
Herrn
Marcel Vossschulte
Am Neumarkt 2
41564 Kaarst
6. Dezember 2010
Anfrage zur Sitzung des Stadtentwicklungs-, Planungs- und Verkehrsausschuss (SPVA) am 15.12.2010 / Verkehrsgutachten Hüngert II
Sehr geehrter Herr Vossschulte,
die Fraktion der Kaarster Grünen bittet Sie, folgende Fragen zur nächsten Sitzung des PVA am 15.12.2010 schriftlich beantworten zu lassen und den Gutachter zur Sitzung einzuladen.
Anfragen
- Gewerbegebiet Holzbüttgen Ost
Die voraussichtliche zusätzliche Verkehrserzeugung im Gewerbegebiet Holzbüttgen-Ost (Leerstand TSK, vorhandene Brachflächen, der Bereich gegenüber Timmermanns) ist nicht in das Gutachten einbezogen worden. Verkehr aus diesem Gebiet wird auch samstags (Algarve, u.a.) den Knotenpunkt Bruchweg/Siemensstraße benutzen.
Warum ist der Bereich nicht berücksichtigt und welche Änderungen (insbesondere Kfz-Fahrten) würden sich bei einer Berücksichtigung ergeben?
Das Verkehrsaufkommen des Gesamtgebietes Hüngert I und Holzbüttgen-Ost wird mit 8.000 KfZ-Fahrten angegeben, s. S. 87. Warum sind diese Zahlen nicht bei den Berechnungen berücksichtigt?
Entwicklung Gewerbegebiet Commerhof, zusammen ca. 16,5 ha: Hier ist die Optionsfläche (5.000 m²) von L´OREAL nicht entwickelt. Weitere Grundstücksflächen sollen zukünftig auch noch gewerblich genutzt werden. Die Flächen und deren Verkehrserzeugung sind im Verkehrsgutachten nicht berücksichtigt, wie wird sich dies auswirken?
- Hüngert I
Der Gutachter unterstellt in der Entwicklung der restlichen Flächen im Bereich Hüngert I eine zusätzliche BGF von 15.000 m² Bürofläche (umgangssprachlich &bdquoFiletgrundstück“) und 10.000 m² Gewerbefläche, s. S. 12. Gleichzeitig werden hierfür lediglich 475 zusätzliche Arbeitsplätze angenommen, unterstellt man jedoch eine hochwertige Büronutzung, so wie es zur Zeit im politischen Raum diskutiert wird, dann sind als Durchschnittswert 2,5 Beschäftigte/100m² anzusetzen und 2 Beschäftigte/100m² für die Gewerbeflächen, somit würden 575 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Wie würden sich die Kfz-Fahrten bei optimistischer Umsetzung darstellen?
Bei der Annahme der Verkehre in Hüngert I unterstellt der Gutachter lediglich ein Verkehrsaufkommen von 25% an Samstagen, S. 69. Ist in dieser optimistischen Annahme berücksichtigt, dass die meisten Kunden der Musterhausparks wohl am Wochenende kommen? Außerdem ist zumindest das Außerlieferungslager von Poco im Gewerbegebiet Holzbüttgen Ost noch zu berücksichtigen.
- Beschäftigtenschlüssel
Der Gutachter setzt für die weitere Entwicklungsfläche (GEP-Ergänzungsfläche Hüngert II) eine BGF von 150.000 m² an. Dabei nimmt der Gutachter an, dass lediglich 0,67 Beschäftigte je 100 m² BGF erwartet werden und spricht selber von der untersten Grenze, S. 79.
Dies entspricht jedoch nicht den bisher artikulierten Zielvorstellungen für das Gebiet (hochwertiges und arbeitsplatzintensives Gewerbegebiet), vielmehr ergibt sich aus der Tabelle S. 14, dass lediglich Transport, Hallen, Lager, Autohäuser und hochproduktive Industrie mit diesem Schlüssel möglich wäre. Aber genau das so die bisherigen Verlautbarungen will die Stadt nicht.
Ist daher vorliegend nicht ein viel höherer Schlüssel als Zielwert anzusetzen, mind. 1,5 und ein entsprechend höherer in der worst case Berechnung? Auch ist der Hinweis des Gutachters auf S. 15 klar zu werten, Büronutzungen sind auf Grundlage der Verkehrsuntersuchung unmöglich.
Wie hoch würde die Kfz-Fahrten aussehen, wenn der Schlüssel 1,5 Beschäftigte/100m² angesetzt werden würde?
- Datengrundlage
Der Gutachter nimmt immer wieder Bezug auf verschiedene Ikea-Einrichtungshäuser (Bielefeld, Duisburg, Köln und auf ein Möbelhaus in Oberhausen), gleichzeitig stellt er aber dar, dass die zukünftige Kaarster Situation am ehesten mit der in Düsseldorf-Reisholz vergleichbar sei. Welche Daten hat der Gutachter von Ikea zum Standort Düsseldorf-Reisholz bekommen und welche selber erhoben (vgl. u.a. Aussagen S. 65)?
Verkehrszahlen aus Düsseldorf-Reisholz aus 2007/2008 angenommen: Hat der Gutachter die Zahlen von IKEA bekommen und hat IKEA mitgeteilt, dass das Haus damals nur 17.000 m² hatte? Erst seit Erweiterung im Juli 2010 (9.7.2010 Eröffnung) ist IKEA dort 24.000 m² groß (Nettoverkaufsfläche).
Sind die Daten der Besucherströme, S. 18 von Ikea geliefert worden? Auf welchen Zeitraum beziehen sich die Daten? Ist die „Neueröffnung“ des Ikea-Einrichtungshauses in Düsseldorf-Reisholz berücksichtigt?
- Verkehrszählungen am Samstag
Die Verkehrszählungen am Samstag wurden am 3. und 10. Juli 2010 durchgeführt, an extrem heißen Tagen, an denen ein WM-Spiel mit deutscher Beteiligung stattfand. Der Gutachter bezeichnet diese Erhebung selber als „nicht repräsentativ“, S. 71. Anhand dieser Zahlen wurden Hochrechungen erstellt. Ist dies eine seriöse Datengrundlage für die Belastungsrechnung?
Laut der Bewertung des Gutachters sind bei den Spitzensamstagen „Kapazitätsengpässe“ (S. 78) zu erwarten
- Gewerbegebiet Platenhof
Was ist mit dem geplanten Gewerbegebiet um den Platenhof herum? Weiß der Gutachter, dass dort auch noch Gewerbe hin soll und hat dies berücksichtigt?
- Neue Berechnung
Anhand der o.g. Kriterien: Berücksichtigung Restfläche Hüngert I, Bestand Hüngert I und höhere Beschäftigtenzahl für Hüngert II sollte eine Neuberechnung durchgeführt werden. Dies würde unweigerlich zu Auswirkungen auf das Gesamtnetz führen, wie der Gutachter ebenfalls ausführt, S. 80. Wie würde diese aussehen bei 575 Beschäftigten Restfläche Hüngert I, 8000 Kfz-Fahrten Bestand Hüngert I und 2.500 Beschäftigten GEP-Ergänzungsfläche Hüngert II?
- Regiobahn
Die Schrankenzeiten samstags sind im 30-Minutentakt gerechnet. Wie würde die Berechnung im 20-Minutentakt aussehen? Welche Komplikationen würden sich dadurch ergeben? Wäre eine Zweigleisigkeit in Zukunft noch möglich mit ggf. noch engeren Taktzeiten? S. 73 d. Gutachtens.
- Verkehrsentwicklung & Sensitivitätszuschlag
Inwieweit wurde bei der Prognoseerstellung die allgmeine Verkehrsentwicklung (plus 8%), sowie der Sensitivitätszuschlag von 10% berücksichtigt?
Welcher Wert würde 100% der Berechnung der Tabelle von S. 67 entsprechen?
- Belastungsgrenze Freitag
Die Belastungsrenze des Straßennetzes wird regelmäßig freitags erreicht bzw. überschritten, so dass je mehr Ikea-Besucher angenommen werden, desto weniger Arbeitsplätze können im übrigen Gebiet entstehen. Weshalb ist der worst case mit durchschnittlichen Verkehrsdaten (Mo. bis Fr.) kalkuliert worden, wenn analog zu den Erfahrungen am Standort Düsseldorf-Reisholz das Verkehrsaufkommen höher ausfällt (statt 11.000 werden 14.500 Kfz ausgeweisen, S. 67)?
Hält der Gutachter eine separate Betrachtungsweise und Berechnung der Verkehrsströme:
1) Mo. bis Do
2) Fr
3) und Sa. für sinnvoll?
- Ikea und ÖPNV
Wie hoch ist der Anteil der ÖPNV-Nutzer in Düsseldorf-Reisholz? Sind diese Zahlen entsprechend bei den Kaarster Berechnungen eingeflossen?
- Sättigungsverkehre
Wie erklärt der Gutachter, dass 5 von 10 Knotenpunkten über der Sättigungsverkehrsstärke liegen? S. Anlagenband, Anlage 11, Tab. 6.2, Tab. 7.3, Tab. 13.3. und Tab 14.3. Welche Auswirkungen wird dies auf zukünftige Verkehrssteuerungen haben?
- "Worst case" vs. Freitagsverkehr
Die worst case Verkehrsbetrachtung liegt lt. Gutachter bei 19.850 Kfz/Tag, S. 80, Tab. 5.3-1, dem gegenüber steht das Gesamtverkehrsaufkommen von 21.240 Kfz/Tag, S. 69, Tab. 5.2-2, diese Zahl ist viel höher als der worst-case. Ist dies ein Widerspruch?
- Datendiskrepanzen
a) Wie erklärt der Gutachter die Datendiskrepanz auf S. 68 ggü. der Daten aus der Tabelle von S. 15? Einmal werden 8.500 Besucher-Kfz von Ikea angenommen und ein anderes Mal 11.500, die Differenz entspricht 3.000 Kfz, d.h. 4.500 Besucher (bei 1,5 Besuchern pro Kfz, wie der Gutachter sonst annimmt). Damit würde sich in der Tabelle 3-6 auf S. 15 eine Gesamtverkehrssumme von 16.950 Kfz/Tag ergeben und nicht 13.950.
b) Einmal unterstellt der Gutachter ein spezifisches Kunden-Kfz Aufkommen von 38/h, S. 68 und ein anderes Mal von 40/h, S. 12 Fußnote 8. Welche Zahl wird auf welcher Grundlage angenommen? Und welche Zahl ist richtig?
c) Spitzenstunden: der Gutachter unterstellt auf S. 80 im Ziel- und Quellverkehr jeweils 660 Kfz/h, auf Seite 67 findet sich diese Zahl jedoch nirgends in der Tabelle. Welche Zahl stimmt, woher stammt die Zahl 660 Kfz/h? Allein der Spitzenwert freitags liegt für Ikea Kaarst lt. Tabelle auf S. 67 bei 680 Kfz/h, ist dabei ist ein Sensitivitätszuschlag von 10% berücksichtigt?
d) Woher stammt die Zahl 8.600 Kfz/Tag für die Prognose des Ikea-Verkehrsauskommens auf S. 16? Wo taucht diese Zahl sonst noch im Gutachten auf?
e) Warum ist in Tabelle 5.3-1 auf S. 80 der Beschäftigtenverkehr mit 3.200 Kfz /Tag angegeben, müsste dies nicht 3.280 sein?
f) woher stammt die Zahl 11.000 Kfz/Tag (Besucherverkehr), S. 80, Tab. 5.3-1? Allein das werktägliche Besucheraufkommen setzt der Gutachter mit 11.500 Kfz/Tag an, S. 68.
g) zu korrigieren ist der Wert der Kfz-Fahrten in der Spitzenstunde (S. 81), analog zu den Erfahrungen in Düsseldorf-Reisholz liegt der Wert bei 680 Kfz und ist dann zum Vergleich noch mal um 10% zu erhöhen.
h) für den worst case Fall ist nicht die Jahresganglinie Düsseldorf-Reisholz 2008 (Mo. bis Fr., S. 81) ausschlaggebend, sondern die in Tabelle 5.3-1 (S. 67) ausgewiesene Freitagsspitzenstunde (oder noch besser anhand noch neuen Daten nach der „Neueröffnung“).
Freundliche Grüße
Bündnis 90/Die Grünen Kaarst
Christian Gaumitz
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(die Anfrage als pdf)
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(die Verkehrsuntersuchung, pdf 3,2 MB)
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(die Antwort als pdf)
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